Neuigkeiten

27.08.2017 08:02

Veranstaltungstipp: Standpunkte! Neue Werke von Tjala Arts

Das Kunstzentrum Tjala Arts wurde zwar erst Anfang dieses Jahrtausends in den Western APY Lands in Südaustralien gegründet, zählt aber mittlerweile zu einem der erfolgreichsten des ganzen Kontinent

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23.08.2017 15:15

Zahlreiche Outback-Events finden in den kommenden Monaten statt

Yabbi- und Plumpsklo-Rennen, Bullen- und Pferdereiten im Outback, Zäune ohne Hilfsmittel bauen, Live-Musik und Straßenmärkte - bei den Events, die in den kommenden Monaten in Queensland stattfinden, ist für jeden etwas dabei!

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Sydney-Blog

06.09.2017 09:11 von Barbara Barkhausen

Die letzte Ruhestätte eines großen Entdeckers

Bisher war das Schicksal des Seefahrers Jean-François de La Pérouse ungeklärt. Der Franzose landete wie vor ihm der Brite Cook in Australien, doch danach verläuft sich seine Spur im Pazifik. Jetzt ist ein Wissenschaftler jedoch auf Beweise gestoßen, was dem Franzosen widerfahren sein könnte.

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28.08.2017 11:09 von Barbara Barkhausen

Ein Jahr ohne Supermarkt

Ein Australier hat versucht, 365 Tage lang nur das zu verspeisen, was er anpflanzte, jagte oder fischte.

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Bildung Down Under

01.10.2015 10:48 von Torben Brinkema

Australische Unis planen für die Zukunft

Fit für die Zukunft: Im schottischen Glasgow trafen sich Mitte September rund 5.000 Hochschulvertreter aus 90 Ländern.

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11.08.2015 12:39 von Redaktion

Mehr Erfolg in der Forschung ist gewünscht

Die Regierung Australiens wünscht sich, dass die Forschung an ihren Universitäten einen größeren Erfolg einfährt.

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100 Tage Australien - Filmemacher unterwegs

Die Filmemacher Silke Schranz und Christian Wüstenberg sind immer auf eigene Faust unterwegs, sie lassen sich treiben und entscheiden spontan, wo sie bleiben wollen. Ihre Filme sind kein müder Abklatsch der Reiseführer. Die Reisereportagen der Filmemacher unterscheiden sich vor allem in einer Hinsicht von allen anderen: Es werden keine trockenen Geschichtsdaten runtergerasselt, sondern interessante Geschichten erzählt. Und das in einer Sprache, als säße man mit den beiden nach ihrem Urlaub am Küchentisch, wo sie mit leuchtenden Augen von ihrer letzten Reise erzählen.

Nach ihren überaus erfolgreichen Filmen über Neuseeland, Portugal und „die Nordsee von oben“ waren sie nun für ihren neuen Film drei Monate (100 Tage) in Australien unterwegs. Unterstützt wird das Projekt von den Australien-Spezialisten von Boomerang Reisen.
An dieser Stelle finden Sie regelmäßig Auszüge aus Ihrem demnächst im MANA-Verlag erscheinenden Buch über ihre Abenteuer und die Entstehung ihres neuen Filmes "Australien in 100 Tagen".

 

 

Australien in 100 Tagen. Das Buch zum Film

Ihre Erlebnisse und Abenteuer während der Dreharbeiten zur Dokumentation „Australien in 100 Tagen“ haben die Filmemacher Silke Schranz und Christian Wüstenberg in einem Buch festgehalten: „Australien in 100 Tagen. Das Buch zum Film“ ist ab dem 27. September 2012 im Buchhandel erhältlich.

Ab sofort können Sie hier die einige Seiten des Buches bewundern!

 

Australien in 100 Tagen - exklusive Bilder aus dem neuen Film

Im neuen Magazin "Die Australienreise" gibt es bereits jetzt einen spannenden Artikel zum Filmdreh Down Under sowie ein Interview mit den beiden drehenden Weltenbummlern. Was macht so einen Film aber wirklich aus? Richtig, die Bilder! Viele schöne Bilder von Silke und Christian sind im neuen Magazin zu bewundern und hier zeigen wir exklusiv einige weitere:

Tag 97-98: Adelaide, Wolken und Regenschauer, 19 Grad

Wir fahren eine gute Stunde bis zu einem Campingplatz am Strand in einem Vorort von Adelaide. Wir schaffen es gerade noch, um halb 9 vor  Sonnenuntergang zum Strand zu gehen und die Kameras rauszuholen. Der Himmel ist voller dunkelblauer und orangefarbener Wolken, jede Wolke zieht in einer anderen Geschwindigkeit über unsere Köpfe hinweg. Es ist ganz leise hier, denn das Wasser ist flach wie ein Bügelbrett. Eine Großfamilie ist im Wasser und gluckst vor Vergnügen. Was für Farben! Was für ein toller Himmel!

Wir müssen als erstes den Camper abgeben. Natürlich hat es wieder Stunden gedauert, bis wir alles final in unsere Taschen gepackt und alle Fächer leer geräumt haben. Der letzte Kilometerstand offenbart, dass wir rund 22.000 Kilometer in den letzten dreieinhalb Monaten gefahren sind. Mit viel Gepäck stiegen wir in ein Taxi. Boomerang Reisen hat uns nach all der Zeit im Camper eine Nacht im Hotel in Adelaide gebucht. Da am heutigen Sonntag ab 11 Uhr die Geschäfte für Weihnachtsshopping geöffnet haben, beziehen wir unser Zimmer auf der Gouger Street in Chinatown und ziehen los in die Innenstadt. Bei uns kommt so gar keine Weihnachtsstimmung auf. Liegt es daran, dass wir bei T-Shirt Wetter unterwegs sind? Oder daran, dass so gut wie nichts dekoriert ist und die Leute völlig stressfrei einen Sonntagsbummel unternehmen? Leider schüttet es wie aus Eimern, stundenlang und wir finden keine Weihnachtsgeschenke. Macht nichts, wir bestellen ein leckeres Mehr-Gänge-Menü bei einem Thai namens „Lemongrass“ und schwelgen in leckerem Essen. Wir bestellen zum krönenden Abschluss noch eine Flasche Wein aus dem Barossa Valley und runden unsere Reise ab. Wir reden viel darüber, wie der Film wohl aussehen wird, wie lang er wird und dass jetzt für uns die Zeit am Schneidetisch beginnt. Wir reisen nach Hause in den Winter, sitzen bald wieder viele Wochen und Monate vor unseren Computern und schneiden und texten den Film. Der größte Spaß sind dann die Kinotouren, wenn wir mit dem Film deutschlandweit durch die Kinos reisen und auf Menschen treffen, die sich für Australien interessieren. Die Reise ist vorbei und wir sind für jede Sekunde dankbar, die wir in Australien verbracht haben. Jetzt freuen wir uns auf zu Hause und auf unsere Familien und Freunde.

 

Tag 90: Second Valley - Kangaroo Islands, 13 - 22 Grad, mal Sonne, mal Wolken

 

„Na, haben die Vögel euch geweckt?“ fragt der Campingplatzbesitzer scheinheilig. Die schönen Kakadus haben zwischen 5 und 6 wieder schön Krach gemacht. Und zwar so richtig. Ihr KraKraGekreische weckt uns besser als jede Melodie unseres Handys. Wir haben ehrlich gesagt den Morgen und das Gekreische sehr genossen. Wir fahren um 8 Uhr Richtung Kangaroo-Island-Fähre, eine halbe Stunde vor der Abfahrt sollen wir da sein. Mit uns warten noch 50 andere Autos auf die Verladung, außerdem auch einige LKW. Wie gut, dass Boomerang für uns schon die Überfahrt gebucht hat. Auch wenn Sealink mindestens vier Mal am Tag zwischen Festland und Insel hin- und herpendelt, ist Vorbuchen bestimmt eine gute Idee. Das Schiff sieht gar nicht so groß aus, als würden wir da alle drauf passen. Der Verlademeister schickt die PKW zuerst drauf und verteilt sie an den Seiten, dann kommen die Brummis und fast zuletzt verschluckt der Schiffsbauch auch unseren Camper, den wir Rückwärts auf die Fähre fahren müssen, weil die Fähre nur auf einer Seite eine Verladerampe hat. 45 Minuten dauert die Überfahrt und es geht auf besonders blaues Wasser raus. Wie die Aquamarin-Farbe im Tuschkasten sieht das Meer hier aus. Und Wellen hats. Boah. Die Wellen sind um die vier Meter, sehr lang und bringen das große Schiff ordentlich zum Schaukeln.  Die Wellen kommen von der Seite, was es für die Leute an Board ganz schön schwierig macht, zu laufen. Wenn sie vom Heck zum Bug wollen, müssen sie das in sehr weit angelegten Schlangenlinien tun und das sieht sehr lustig aus.

 

Im kleinen Ort Penneshaw kommen wir an und im Nu leert sich das Schiff. Alle wollen sich ins Abenteuer stürzen, denn Kangaroo Island ist für seinen Tierreichtum bekannt. Weil es 16 Kilometer vom Festland liegt, gibt’s hier seltene Tierarten wie das Kangaroo Island Känguru, dessen Fell dunkler und dicker ist als bei seinem grauen Känguru-Verwandten vom Festland. Auch die Tammar Wallabies und australische Seelöwen sind besonders hier. 155 Kilometer ist die Insel lang und 55 Kilometer breit. Viele Straßen sind noch Schotterpiste, und weil es in den letzten Wochen viel geregnet hat, sind sie in einem schlechten Zustand. Im Visitor Center, das wir als allererstes anfahren, rät man uns ab, mit dem Camper die ungeteerten Straßen zu benutzen. Nur, wenn’s unbedingt sein muss, weil sie zu schönen Zielen führen. Die Hauptwege sind aber asphaltiert und so kommen wir auch zum ersten Ziel heute, den Sea Lions, die hier auf einem 5 Kilometer breiten Streifen ihr Revier haben. Um sie aus der Nähe zu betrachten, gibt’s es zwei Möglichkeiten, die  beide Geld kosten: Für 15 AUD darf man auf einem Bohlenweg laufen bis fast zum Strand. Von dort aus sehen wir bis zu 150 Tiere, allerdings kommen wir selbst mit unserem Teleobjektiv nicht nahe genug an sie ran. Wir entscheiden uns für eine geführte Tour für 30 AUD, denn dann geht ein Guide mit uns direkt an den Strand, an dem die Seelöwen liegen. Und so kommen wir den Tieren bis auf 50 Meter nahe. Lilly, unser Guide, erklärt, dass 1600 Tiere zur Kolonie gehören und sie meist drei Tage im Wasser sind, um im 7 Kilometer entfernten Fischrevier auf Beutezug zu gehen. Dann kommen sie für drei Tage an Land und ruhen sich von den Strapazen aus. Aber sie liegen nicht nur faul am Strand, wir bekommen einiges geboten: Die ausgewachsenen Seelöwen schleppen ihre 350 Kilo den Strand runter und sie lassen sich von den Wellen immer weiter ins Wasser tragen. Die jüngeren Seelöwen tragen  ständig kleine Revierkämpfe aus, sie stupsen und beißen sich und ihre Brust schwillt beim Seelöwengeheul an. Manche jagen sich gegenseitig und wir sind baff, wie schnell die Tiere den Strand entlang wetzen können. Einige ganz kleine Seelöwen liegen bei ihren Müttern am Strand und die etwas größeren gehen schon alleine schwimmen. Wenn sie dann aus dem Wasser kommen, stimmen sie ein herzzerreißendes Geheul an, um wieder zu ihren Müttern zu finden. Da so viele Tiere am Strand unterwegs sind, gibt’s überall was zu Gucken und wir können uns nicht satt sehen an den schönen Tieren, die sich von uns gar nicht stören lassen. Besonders ein Männchen schenkt uns nicht einen Blick als er, keine 15 Meter von uns entfernt, aus den Dünen Richtung Strand robbt (oder sagt man in diesem Fall „seelöwt“?) Wir dürfen ziemlich lange gucken und wechseln dreimal unseren Standort. Irgendwann bläst Lilly zum Aufbruch. Das war eine tolle Gelegenheit, diese Tiere zu sehen. Wie immer stellen wir uns die Frage, ob 30 AUD dafür gerechtfertigt sind. Als wir einer Gruppe Studenten begegnen, die darüber beraten, ob sie sich das zu viert leisten können oder 120 AUD lieber anderweitig ausgeben, finden wir es schade, dass sich die Australier so viel für ihre Natur bezahlen lassen und sie damit Menschen vorenthalten, die nicht so viel verdienen.

 

Weil es schon wieder fast 5 Uhr ist, fahren wir ohne weiteren Stopp zum Campingplatz, auf dem viel einheimisches Getier zwischen den Campern und Zelten unterwegs ist. Wir sind noch nicht richtig in unsere Parkbucht gefahren, da schaut uns schon das erste Känguru an und mäht dann weiter die Wiese. Viele Camper laufen mit Fotoapparaten über das Terrain, denn in den Eukalyptusbäumen sitzen Koalas und über unseren Köpfen fliegen grau-rosa-farbene Vögel, die Pink Kakadus. Wir nehmen natürlich auch gleich die Kamera in die Hand und filmen ein Babykänguru, das eifrig Gras frisst und mit ungeübten Hopsern von einer  Wiese zur nächsten springt. Ein anderes Känguru spielt gerade mit den frisch gewaschenen Handtüchern, die auf dem Wäschegestell im Wind wehen. Es ist eines der Kangaroo-Island-Kängurus, die etwa so groß wie Bambis sind und mit ihrem dichten braunen Fell und den Knopfaugen uns auch sonst an Rehkitze erinnern. Silke setzt sich in Position und filmt. Das Känguru erblickt sie und hüpft sofort in ihre Richtung. Anstatt vor ihr zu stoppen, packt es seine Fäuste aus, stellt sich auf den muskulösen Schwanz, boxt und teilt auch noch Tritte aus. Christian kommt dazu und freut sich über die Szene, die er geboten bekommt. Das Känguru lässt von Silke ab und jagt nun Christian über den Platz. Wir hoffen, dass bei dem ganzen Tumult trotzdem brauchbare Bilder dabei sind…

Tag 75: Sydney, mal Sonne, mal Wolken, 21 Grad

 

Ein Sonntag in Sydney. Unser Weg soll uns heute früh zum Skytower führen, aus knapp 300 Metern Höhe wollen wir uns die Stadt zu Füßen legen. Danach mit der Fähre nach Manly zu dem anderen Strand. Oder um 13.15 Uhr eine Whale Watch Cruise machen. Unser Mitaufzugfahrer hat uns heute morgen diesen Floh ins Ohr gesetzt. Gestern war er dabei und hat eineinhalb Stunden einem Buckelwal zugeschaut, der nah am Boot seine Flosse ins Meer gehauen hat und später sogar sich selbst. Hier sind die Wale also jetzt noch unterwegs!  Vergnügt gehen wir frühstücken. Unser Hotel ist umlagert von vielen hundert Essensmöglichkeiten. Asiaten schlürfen hier ihre Morgennudeln, es gibt viele Bäckereien mit süßem Gebäck, dass die Chinesen mit noch mehr Süßkram oder auch Thunfisch verfeinern, es gibt kleine Kaffees mit englisch / australischem Frühstück (Baked Beans, Bacon and Eggs etc.), mit Glück sogar eines mit Atmosphäre. Wir finden eins und lassen uns alle Zeit der Welt. Denn der Himmel ist mit einem Windstoss voller fetter Gewitterwolken, klammheimlich haben sie die Sonne hinter sich versteckt und eine geschlossene Decke gebildet. Für „Schattierungen von Grau“ müssen wir nicht auf den Skytower rauf, dann gehen wir heute Abend lieber in der „Blauen Stunde“ dorthin. Zur Whale Watch Tour zu gehen ist Quatsch bei dem Matschlicht und eine Halbe Stunde bis zum Strand mit der Fähre zu fahren ist auch Quatsch. Was nun? Das ist die Frage des Tages, denn wann immer wir einen Plan machen, haut uns das Wetter dazwischen. Das praktische an Sydney ist, dass man genügend Alternativen hat und fast alles zu Fuß machen kann.

Also laufen wir los Richtung Oper, die wollen wir uns nun endlich mal aus der Nähe ansehen. Und stellen fest: Schöner wirkt sie aus der Entfernung. Aus der Nähe verlieren die „weißen Segel“ der Oper ein bisschen Ihre Leichtigkeit, da ziemlich viel grauer Beton zum Einsatz gekommen ist. Es ist interessant zu sehen, dass ihre Außenhaut einem gekachelten Badezimmer gleich kommt. Jeder Tourist, der die Oper zum ersten Mal von Nahem sieht, scheint das dringende Bedürfnis zu haben, ihre Außenhaut anzufassen. Uns geht es nicht anders. Fühlt sich tatsächlich wie ganz normale Badezimmerkachel an. Wir beobachten, wie ein frisch vermähltes Paar vor der Oper in den abstrusesten Posen fotografiert. Alle anderen machen auch das obligatorische „Ich war auch hier“-Foto. Ganze Familien stellen sich in Position und die Alleinreisenden strecken ihren Arm weit aus, um sich und die große Oper auf einem Bild festzuhalten. Nach genügend Kameraaufnahmen machen wir das Gleiche. Arm raus und knips.

Direkt am Opernhaus liegt der Botanische Garten, dessen Küstenwanderweg sich so schlängelt, dass wir nach einer guten halben Stunde einen tollen Blick auf Oper und Harbour Bridge zusammen haben. Der Himmel ist nicht gerade in den Farben, die wir uns vorstellen, aber immerhin regnet es nicht. Also wieder Arm raus und knips. Andere Touristen knipsen auch. Wir machen noch ein paar Filmaufnahmen, denn die Kulisse ist ziemlich beeindruckend.

Wir blicken um genau 13 Uhr dem Elend ins Auge: Das Wetter ist definitiv so schlecht, dass weder Wale noch Strände zu filmen sind, also erkunden wir weiter die Stadt, bis zum Abend haben wir bestimmt wieder 15 Kilometer unter unseren Füssen durchgeschoben und genau so fühlen sie sich an. Zum Skytower fahren wir deshalb mit dem Bus. Die Sonne geht gerade unter und die ersten Lichter gehen in der Stadt an. Bis das Licht genau richtig ist, nicht zu hell und nicht zu dunkel und genügend Firmen ihre Hochhäuser bunt beleuchten, kreiseln wir inzwischen mit ganzen Horden von Reisegruppen um den Turm. Ungefähr 100 Schüler aus der Pampa Australiens flippen schier aus beim Blick auf eine so große Stadt. Und die 150 Asiaten kreischen fröhlich vor sich hin, während sie ihre Nasenspitze am Fenster plattdrücken. Der Lärmpegel ist beachtlich, von Abendstimmung ist hier nichts zu spüren. Wir müssen uns an der Scheibe regelrecht einen Platz für uns und die Kamera erkämpfen. Aber der Blick lohnt sich und irgendwann wird’s dann doch auch ruhiger. Bis die Stadtbesichtiger aber alle wieder in den drei kleinen Aufzügen nach unten transportiert sind, vergeht eine Stunde. Wir nutzen sie, um die Stadt aus allen Blickwinkeln zu fotografieren und zu filmen. Es ist halb 9, in den umliegenden Hochhäusern sehen wir nur noch ausgestorbene Büroräume und unser Magen knurrt. Leider gibt’s hier oben keine Kneipe, zu dem Blick hätte uns ein Bier gut geschmeckt. Wir gehen heute direkt aufs Zimmer, nicht mehr über Los, denn wir müssen mal wieder packen. Morgen bekommen wir den vierten und letzten Camper für die Etappe bis zur Heimreise.

Tag 60: Hervey Bay – Lady Elliot Island – Hervey Bay

“huuuh maa! Schilhööhhee! Aaa esch!“ Übersetzt heißt das: „Guck mal! Schildkröte! Da rechts“ ruft Christian. Allerdings durch seinen Schnorchel hindurch. Nach unseren vielen gemeinsamen Schnorcheltrips können wir uns inzwischen auch gut unter Wasser verstehen. Wir lassen also unseren Schwimmbrillenblick vom Boot ins blaue und glasklare Wasser gleiten und da! Eine Schildkröte! Riesengroß! Ihr Panzer ist gemustert wie ein Fußball, Green Turtle heißt die Art und sie schwimmt vollkommen unbeeindruckt vor uns her. An Land sehen die Tiere immer so behäbig aus, fast tun sie uns leid, dass sie das riesige Gewicht ihrer Einzimmerwohnung immer mit sich rum schleppen müssen. Unter Wasser kommen sie mühelos voran. Ihre langen Beine vorne sehen wie Ruder aus, ihr Hinterbeine fungieren als Richtungsgeber, aber auch als zusätzlicher Motor. Als wir der ersten dann wohl doch ein bisschen auf die Nerven gehen, legt sie sich unter Einsatz aller Beine einen Zahn zu, dem wir nicht mehr folgen können.

Wir haben uns heute eine Tagestour auf eine vorgelagerte Insel gegönnt: Lady Elliot Island heißt die kleine Insel, die außer einem Eco-Resort nichts beherbergt. Nur Massen an Seevögeln, die überall auf der Insel brüten. Um die Insel rum sind Korallenriffe, die Insel gehört zu den südlichen Ausläufern des Great Barrier Reefs und ist den Weg wert. 35 Minuten fliegt das kleine Propeller-Flugzeug uns und weitere 12 Tages- und Übernachtungsgäste auf die Insel. 06 km² ist sie nur groß, in 45 Minuten sind wir bequem drum herum gelaufen. Das Schnorcheln am Riff ist großartig, das glasklare Wasser macht den das Ganze zum Erlebnis. Und wenn dann auch noch eine Schildkröte durch die bunte Korallenwelt schwebt und vor unseren Augen an ein paar Korallenstäbchen knabbert, dann toppt das den Ausflug natürlich.

Nach unserem ersten gemeinsamen Schnorchelgang mit den anderen Tagestouris gehen wir noch mal auf eigene Faust ins Wasser. Unfassbar geil! Zwei weitere Schildkröten, viele verschiedene knallbunte Fische, viele Fischschwärme aus größeren silbernen Fischen und alles, was in der Korallen-Unterwasserwelt Rang und Namen hat. Wir sehen einen „Gemeinen Teppichhai.  Er sieht überhaupt nicht aus wie ein Hai, wie man ihn aus dem Gruselschocker kennt. Er ist flacher und nicht grau, sondern hell- und dunkelbraun meliert wie ein oller Perserteppich. Um sein breites Maul hat er lauter Fransen, sieht aus wie ein Bettvorleger. Drei Meter lang ist der Fisch, den wir interessiert umrunden. Er versteckt sich hinter einem Koralleberg und wir sehen auch schon unser nächstes Highlight, einen Sting Ray, ein Rochen, drei Meter im Durchmesser. Er schwebt gerade majestätisch 10 Meter unter uns umher, und wir bleiben auf Abstand. Schließlich hat genau so einer den legedären Crocodile Hunter Steve Irwin auf dem Gewissen. Ein Sting Ray hatte ihm seinem Stachel in die Brust gerammt. Wir haben Respekt und bleiben auf Abstand, beobachten den Rochen bis er langsam davon gleitet.

Nach sieben Stunden auf der Insel, die wie nix rumgegangen sind, fliegen wir zurück und nisten uns auf dem nächsten Campingplatz am Wasser ein. Wären wir doch bloß über Nacht auf der Insel geblieben, dann wären wir wahrscheinlich immer noch im Wasser. Die Lady Elliot Tagestour war mit 300 AUD pro Person nicht gerade billig, aber wenn man sich mal was Besonderes gönnen möchte, wäre das vielleicht was...

 

Tag 49: Cairns – Lynch Haven (Richtung Cape Tribulation), sonnig, Wolkig, 28 Grad

 

Wir schieben langsam die Dunkelmachgardine beiseite und sehen strahlendblauen Himmel! Keine einzige Wolke, das ist genau das Wetter, das wir heute für den Flug übers Riff brauchen. Ein Amerikaner, den wir in Alice Springs kennen gelernt haben, hat uns eine günstige Fluggesellschaft empfohlen: für 139 AUD geht’s mit Barrier Aviation eine Stunde lang über das Weltnaturerbe. Nach den Safety Regulations quetschen wir uns zusammen mit einer weiteren Passagierin in die Maschine. Wir haben dem Piloten gestern erzählt, dass wir mit Kameras kommen und Pilot David fliegt deshalb extra mit einer Maschine mit einem Foto-Fenster. Das Fenster hat ein großes Loch, durch das Christian filmen kann, aber nichts raushalten darf, sonst mache das dann gleich den Abflug und der Pilot habe dann auch gleich mehr zu tun, den zusätzlichen Windwiderstand auszugleichen.

Wir sitzen auf der Rückbank zusammengequetscht und starten in Richtung Süden und überfliegen Cairns. Ganz schön viele Hochhäuser, und ganz schön ockerfarben, die Stadt. Sieht aus, als ob jeder die gleiche Hausfarbe benutzt hätte. Cairns liegt direkt am Meer, und ist umgeben von vielen grün bewachsenen Hügeln, die bis ans Wasser reichen. Die Sicht ist gut, kaum Wolken, nur der Horizont ist keine klare Linie, sondern das blau des Himmels verwischt sich mit einem anderen blau des Wassers. Der Pilot umkreist Green Island, eine kleine, bewohnte Insel, und keine 5 Minuten später blicken wir schon auf die unglaublich schönen Riff-Formationen. Das Arlington Riff ist ein großes zusammenhängendes Riff, mit einem Schmankerl in der Mitte: einem Riff, das aussieht wie ein Herz. David schenkt uns unterwegs eine Postkarte von dem Herz-Riff, damit wir es auch erkennen. Mit dem Foto in der Hand sitzen wir da und vergleichen die Riffe mit der Postkarte. Und siehe da, mit viel Fantasie erkennen wir es. Es sind die Farben und Formen, die uns einfach umhauen. Weil wir ja über Weltnaturerbe unterwegs sind, ist der Überflug über bestimmte Zonen nur in großer Höhe gestattet ist, damit wir Tiere da unten nicht nerven. Fast eine halbe Stunde lang überfliegen wir ständig neue Riffe, das Michaelmas Reef, Middle Cay, Upolu Cay und fliegen zurück zur Küste. Wir entdecken den schönen Strand von Palm Cove, in weiter Entfernung die Skyrail-Seilbahn nach Kurunda und den Highway, den wir schon so oft hin und her gefahren sind.

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Der Wechsel der Perspektive lohnt sich, jeden Cent ist dieser Flug wert, da wir die Schönheit des Riffs nicht besser vor Augen geführt bekommen könnten. Die Bilder springen von selbst in die Kamera, der Pilot fliegt butterweiche Kurven und wir müssen uns zwingen, nicht ständig durch den Sucher zu schauen. Denn sonst vergeht so eine Stunde wie nix, wir haben zwar tolle Bilder im Kasten, aber im Hirn kann gar nichts hängen bleiben. So funktionieren unsere Reisedokus aber nicht. Wir können die Motive nicht einfach stumpf abfilmen. Wir müssen dabei sehen, riechen, hören und fühlen, damit wir später die Bilder mit Geschichten verknüpfen können. In unseren Filmen landet nur das, was wir selbst spannend und außergewöhnlich finden. Und dieser Flug zählt ohne jeden Zweifel zu den außergewöhnlichsten Erfahrungen, die wir hier machen. Und kommt natürlich in den Film.

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Wir bedanken uns überschwänglich beim Piloten, der von einer Windböe geschüttelt eine nicht ganz so sanfte Landung entschuldigt und fahren mit einem breiten Grinsen im Gesicht weiter. Unterwegs kommen wir am Zoo vorbei. Der wurde uns wärmstens empfohlen, also gucken wir doch da mal eine Runde vorbei. Leider macht der aber schon um 4 Uhr zu und es lohnt sich nicht, jetzt noch mit einem Rundgang zu beginnen. Also fahren wir die nächste Ausfahrt nach Palm Cove raus. Einer der beliebtesten und schönsten Strände soll das nördlich von Cairns sein. Und tatsächlich kommen wir an einem – wie soll es anders sein – palmengesäumten Strand raus. An der Promenade stehen jede Menge Resorts der feineren Art, aber auch ein Campingplatz, vom Strand nur durch eine schmale Straße getrennt. Am Strand warnen Schilder vor gefährlichen Quallen und Krokodilen. Deshalb scharen sich an diesem wunderschönen und langen Strand alle Schwimmer und Wellenhüpfer an einem 50 Meter breiten Strandabschnitt. Dort halten Netze im Wasser die unliebsamen Eindringlinge ab.


Abends im Bett zeigen wir uns gegenseitig die Aufnahmen vom Riff von oben und stellen fest: ohne Kamera hätten wir ein wirklich einmaliges Erlebnis gehabt. Mit Kamera haben wir noch länger was von. Und andere auch.

 

Tag 34: Mary River - Litchfield Nationalpark - Batchelor, Sonne, 37 Grad

 

Am Adelaide River stehen alle naselang Schilder für „Jumping Crocs“ Bootstouren. Davon haben uns auch schon mehrere Campingplatznachbarn erzählt. Wir entscheiden uns für www.adeleiderivercruises.com.au. Alle zwei Stunden fährt Harry mit seinem 30 Personen fassenden Boot über den Fluss und weiß, wo sich seine Pappenheimer am liebsten aufhalten. Er möchte uns Brutus zeigen, ein Black Crocodile, 5 Meter 50 lang und nach einer Haiattacke nur noch mit drei Beinen ausgestattet. Schon nach fünf Minuten sehen wir ein mittelgroßes Krokodil, das sich in den Mangrovenwurzeln versteckt. Ein Krokodilbaby, vielleicht 1 Meter lang und sehr neugierig. Plötzlich taucht tatsächlich Brutus aus den schlammigen Fluten auf. Angsteinflößend und wahnsinnig faszinierend. Harry fordert uns auf, keine unserer Gliedmaßen über die Reling zu halten. Weil Brutus dann anstelle des kleinen Büffelstücks auch gerne mal Tourist am Spieß frisst. Vor lauter Neugier passiert es uns aber doch, den Arm nebst Kamera so weit rauszuhalten, damit wir einen noch besseren Blick auf das Tier werfen können, aber Harry pfeift uns zurück. Vom Boot aus fühlen wir uns sicher, aber wenn wir ins Wasser plumpsen würden, dann hätte es sich binnen Sekunden erledigt.

Harry erzählt, dass Menschen, die von einem Krokodil angefallen würden, keinen Laut des Erschreckens von sich geben können, denn die behäbig aussehenden Tiere können beim Beutezug blitzschnell sein. Brutus schnappt nach dem Büffelfleischstück und taucht wieder unter. Über eine Stunde lang fahren wir den Fluss auf und ab und auf dem Heimweg sagt Brutus nochmal guten Tag. Nur seine Augen ragen aus dem Wasser. Aber dann taucht er in seiner gesamten Länge auf und treibt neben dem Boot. Harry lockt Brutus auf eine Sandbank. Da liegt der Koloss und alle Touris fotografieren was das Zeug hält. Er ist so groß und wir so nah dran, dass er kaum aufs Foto passt. Näher dran kommt man ohne eine geführte Tour wohl kaum und falls doch, könnte es auch das letzte Foto gewesen sein...

 

Tag 17: Marble Bar, 37 Grad, keine Wolke am Himmel

Wir wollen uns alles anschauen, was Marble Bar zu bieten hat. Es gibt ca. 6 Kilometer außerhalb den Chinaman’s Pool. Da es ja schon lange nicht geregnet hat, ist der Pool eine kleine grüne Pfütze. Die Attraktion um das kleine Gewässer herum ist ein Haufen Steine, die in der Sonne hübsch meliert und gestreift aussehen. Ein paar ausgemergelte Rinder stehen in dem vertrockneten Flussbett und komplettieren das Bild aus einen Westernfilm. Es soll hier eine verlassene Goldmine geben. Ein kleines Schild weist den Weg dorthin. Nach sieben Kilometer über Schotterpiste kommen wir dort an. Die Goldmine wurde schon in den Siebzigern verlassen und sieht auch so aus. Verfallen und verrostet sind die Gebäude und kurz vor dem Eingang warnen Schilder: „Keep out“, „No entry“ und „trespassers will be prosecuted“. Dafür gibt’s auf dem Gelände ein kleines Museum, wo die Geschichte der Goldgräberzeit aufgearbeitet wird. Die drei Dollar Eintritt sind knapp bemessen angesichts der Tatsache, dass sich hierhin nicht viele Leute verirren. Wir hatten hier eher einen alten, kauzigen Golddigger erwartet. Stattdessen erklärt uns eine junges Mädchen, dass Marble Bar wegen des Goldrausches mal 5000 Einwohner hatte . Heutzutage  haben viele nur noch durch den Besuch in der örtlichen Kneipe einen Rausch.

In Marble Bar filmen wir extra die Temperaturanzeige und wollen mal jemanden auf der Straße befragen wie es ist, im heißesten Ort Australiens zu leben. Kommt aber leider keiner vorbei. Um die Mittagszeit scheinen sich alle in den Häusern zu verkriechen. Auf der Straße hört man das Brummen der Klimaanlagen. Wir verlassen den Ort und stellen die Klimaanlage im Auto auf volle Touren. Über eine richtig gute Gravel Road kürzen wir den Weg ab wieder zur Küste. Uns wurde „Cape Keraudren“ empfohlen. Für 10 AUS dürfen wir die 9 Kilometer Richtung Strand fahren, für 6,50 AUD p.P. hätten wir dort auch campen dürfen, erklärt uns der nette Ranger. Wir wollen aber heute noch weiter zum 80 Mile Beach und deshalb schauen wir nur mal vorbei, wie schön und rau es hier an der Küste ist. Die Camper stehen weit verstreut über ein großes Areal. Ein Fluss mündet ins Meer, es ist Ebbe und die Fischer ziehen ihre Boote wieder an Land. Wenn wir Zeit hätten, blieben wir für eine Nacht. Dummerweise ist Zeit das, was uns in dem riesigen Land am meisten fehlt.

Wir schaffen es gerade noch vor Sonnenuntergang zum Caravan Park am 80 Mile Beach. Der wurde uns in Tom Price von einem Schweizer Pärchen empfohlen. Wir werden wieder mal nicht enttäuscht. Wir erleben gerade noch mit, wie der letzte Rest Sonne im Meer versinkt.

 

Tag 10: Monkey Mia über Steep Point nach Harmelin Station, Sonne, keine Wolke am Himmel, 28 Grad

 

Silkes Magen hüpft beim Anblick eines Schildes: Bäckerei! Leckere Brötchen mit Toastbrotknautschfaktor, bunter Süßkram und leckerer Kaffee. Die nette Bäckereifachverkäuferin ist begeistert, mehrfach die Namen der Brötchen nennen zu dürfen und trotzdem in ratlose Gesichter zu schauen. Das ist aber auch ein straffer Akzent, der hier gesprochen wird. Wir deuten mit den Fingern auf die rein optisch leckersten Teile und ordern noch einen Kaffee. Sie nimmt einen Zettel und schreibt auf: 1 x Cappfür Cappuchino und 1 x LB für Long Black. Und dann sagt sie  „Naiiim?“ „Pardon?“  „Naaaiiim!?“ Ich schau Christian an und frage mich, was mein Englisch wert ist. „Nääääääiiiiiiiiiiiiim!!?“  Dann fällt der Groschen: Achso, mein Name! Ich frage mich, warum sie das wissen will, wir sind schließlich die einzigen beiden in der Bäckerei? „Oi hav to wreit your naaiiiim“. Also gut, wenn sie es denn wissen will: „Mei Neim is Silke“ „What?“ „SILKE“ „Hä?“ Ich buchstabiere: „S-I-L-K-E“ Es dauert 5 Sekunden, dann macht es Klick bei ihr und sie strahlt mich an und sagt: „Erika!“ „Stimmt genau, Erika“
Von Monkey Mia aus  fahren wir nun zum westlichsten Punkt Australiens, dem „Steep Point“. Auf dem Weg liegen mehrere Lookouts, die in den örtlichen  Broschüren alle einen Abstecher Wert sein sollen. Eagle Bluff heißt der erste Stopp. Von einer auf einer auf einem Felsen gelegenen Promenade können wir auf die Shark Bay gucken. Türkisblaues Wasser, und viele große dunkelblaue Stellen, die große Seegrasflächen markieren.

Von hier oben soll man Dugongs – zu Deutsch: Seekühe – beobachten können und Haie. Bei genauerem hinsehen und selbst mit einem wahnsinns Zoomobjektiv auf der Kamera kann man die Haie nur als kleine Punkte erkennen. Um die Tiere zu beobachten, sind wir an diesem Punkt einfach viel zu hoch über dem Wasser.
Wir fahren weiter zum Shell Beach. Ein Strand, der aus bis zu 10 Meter hoch aufgehäuften kleinen Herzmuscheln besteht. Knalleweiss ist der Untergrund. Es blendet, dass man ohne Sonnenbrille kaum auf den Boden gucken kann. Es ist kein Ort, an dem man sich den ganzem Tag aufhalten möchte, denn es gibt keinen Baum, der Schatten spendet, aber einen Abstecher ist der Strand wert, weil die riesige weiße Fläche aus Muscheln sehr skurril aussieht. Die letzten 130 Kilometer zum westlichsten Punkt, dem Steep Point fahren wir auf Schotterpiste unterschiedlicher Beschaffenheit. Anfangs ist es noch eine breite Strasse aus roter Erde, die aber zusehends schmaler und hoppeliger wird. Bevor wir uns auf die letzten 35 Kilometer wagen, weisen Warnschilder darauf hin, dass man ab hier nur noch mit einem Allradfahrzeug unterwegs sein darf und dass man ungefähr die Hälfte der Luft aus den Reifen lassen soll. Wir fahren trotzdem mal weiter, um zu gucken ob das nicht alles ein bisschen übertrieben ist, oder ob wir das nicht auch ohne den ganzen Aufwand schaffen können. Wir kommen noch ca. drei Kilometer weit, dann geht es auf feinstem, weichen Sand eine Steigung hoch und wir bleiben stecken. Wir lassen uns ein bisschen zurückrollen und nehmen im ersten Gang Anlauf - aber bleiben schon nach zwei Metern wieder stecken. Capes hatte hoffentlich recht und das Luftablassen hilft tatsächlich, denn wir stehen mitten auf der zwei Meter breiten Piste, so dass Gegenverkehr warten müsste. Den Autoschlüssel stecken wir in das Reifenventil und mit einem Zischen kommt viel nach Gummi stinkender Luft aus dem Reifen. Man kann es deutlich sehen, wie sich der Reifen über der Standfläche ausbeult. Wir geben wieder Gas und siehe da: Es funktioniert! Mühelos tuckert unser Bushcamper im ersten Gang über die schmale Dünenpiste. Es geht weiter eine Düne nach der anderen rauf und wieder runter. Sieben Kilometer vor dem Ziel wieder eine Schild: Stop! Vor der Weiterfahrt in jedem Falle beim Ranger vorsprechen. Der Ranger lebt hier draußen mit seiner Frau und ist ein netter Typ. Er begrüßt uns herzlich. Wir erzählen Ihm, dass wir gerne eine Stündchen Aufnahmen am Steep Point machen wollen. Er meint, bei dieser wunderschönen Umgebung sei eine Stunde Zeit schon eine Schande, eine Woche sollte man sich für die Region Zeit nehmen und wenn wir das nächste Mal kämen, dann würde er uns viele schöne Spots zeigen. Wäre natürlich eine tolle Sache, aber wenn wird das an jedem Ort so machen würden, dann wären wir wahrscheinlich nicht nach 100 Tagen, sondern nach 100 Monaten wieder zu Hause. Als wir wieder in Auto steigen, liegt plötzlich eine drei Meter lange rabenschwarz glänzende Schlange auf dem Sand. Wir zücken sofort die Kameras, machen das Fenster ein Stückchen auf und versuchen, aus der ungünstigen Perspektive ein vernünftiges Bild zu bekommen. Obwohl Außenspiegel und Fensterrahmen noch im Bild sind, können wir die vor uns liegende Schlange ins Bild bekommen. Als wir den Motor wieder anlassen, schlängelt sich die Schlange in einer irren Geschwindigkeit ins Gebüsch. Macht nicht unbedingt ein behagliches Gefühl, wenn man sieht, wie schnell sich eine Schlange bewegen kann. Nach 20 Minuten Fahrt kommen wir am Steep Point an und haben den westlichsten Punkt ganz für uns alleine. In einem Metallkästchen liegt ein Gästebuch, in das wir uns eintragen. Und wir machen noch ein Erinnerungsfoto. Es steht extra ein Metallpfosten bereit, auf dem ein Gewinde für einen Fotoapparat oder Videokamera montiert ist. Schlaue Sache, denn die Wahrscheinlichkeit, dass man hier jemanden findet, der von einem ein Foto knipst, ist gering.

 

Tag 5: Yanchep Lagoon – Coronation Bay, sonnig, 24 Grad

Am nächsten Morgen wachen wir auf und schieben die Vorhänge zur Seite: Eine grandiose Kulisse. Wir stehen tatsächlich direkt am türkisblauen Meer, wie man es eher in der Karibik vermuten würde. Dass das Meer hier im Südwesten so exotisch anmutende Farben hat, hätten wir nicht gedacht. Und hinter uns öffnet gerade die Strandcafeteria. Perfekter Start in einen sonnigen Tag. Wir fahren weiter Richtung Norden und machen Halt in Lancelin. Weiße Dünen soll’s hier geben. Gähn, schon mal auf einer ost- oder nordfriesischen Insel gewesen? Am Ende des Ortes, weist ein einfaches Schild auf eine Dünen-4-Wheel-Drive-Strecke. Uns verschlägt es die Sprache. Eine ausladende Dünenlandschaft liegt vor uns, so weiß wie Schnee, sieht unfassbar toll aus zu dem blauem, wolkenlosen Himmel. Also dann mal rein ins Gelände, der Geländewagen juchzt und wir fahren um die Dünen rum. Ohne Sonnenbrille ist der Kontrast nicht auszuhalten. Der Sand ist noch feiner als auf Amrum oder Juist. Lime Stone ist das, also Kalksandstein extra fein gemahlen.
Wir machen erste Offroad-Erfahrungen. Als wir stecken bleiben, erinnern wir uns an die Einweisung bei Boomerang in Trier, da haben wir extra an einem 4WD Schnupperkurs teilgenommen. An den Rädern gibt es Schrauben, die man um 90 Grad auf „lock“ Position stellen muss, damit das Differential nicht mehr greift und die Räder im Sand nicht durchdrehen. Und siehe da: Es funktioniert. Unser Auto bewegt sich vorwärts durch den tiefen Sand. Schön, dass wir die mitgelieferte Schaufel nicht schon heute auspacken müssen. Der Ausflug hat sich schon mal gelohnt. Heute nachmittag wollen wir dann im Nambung National Park sein. Die Pinnacles ansehen. Man muss sich die Dinger vorstellen, wie Stalagmiten nur ohne Höhle. Oder wie Hinkelsteine. Hunderte und tausende von Steinsäulen sollen es sein, von ganz klein, bis übermannsgroß. „Touristenquatsch“ denken wir, aber neugierig sind wir schon. Wie in einer Kunstausstellung stehen Statuen aus Stein in Reih und Glied.
Unfassbar, dass die Dinger nicht dahingestellt worden sind, sondern, dass die Natur das Ganze im Laufe der Jahrtausende so geformt hat. Auf Sanddünen wachsende Pflanzen drangen mit ihren Wurzeln in den unter den Dünen liegenden Kalksandstein ein. Das Wasser in den Wurzeln reagierte mit dem Kalk. Die Wanderdünen wanderten weiter, die Pinnacles blieben. Um die Säulen führt eine einspurige Besichtigungs-Auto-Strecke. Um kurz vor 5 Uhr abends kurven wir nur mit wenigen anderen rum. Am schönsten lassen sich die Gesteinsformationen bei Morgen- oder Abendlicht fotografieren, dann bekommen sie lange Schatten und die Sonne strahlt sie orangerot an. Ein ganz besonderes Spektakel, auch das, was sich auf der Besucher-Route tut. Eine japanische Kleingruppe besteigt gegen die Anweisung des Nationalparks jeden Stein und kreischt dabei weithin hörbar, eine amerikanische Gruppe quält sich aus dem Auto und macht eigentlich Drive-In-Sightseeing. Aber fast alle, die jetzt bei den Pinnacles sind, bleiben bis die Sonne untergeht, die alles lila erleuchtet.
Heute ist Vollmond, also bleiben wir noch eine Viertelstunde länger in der Dämmerung stehen, um dann auf der anderen Seite über den Steinen, den Mond aufgehen zu sehen. Heidewitzka, das hätten wir uns in den kühnsten Träumen nicht so schön vorgestellt und finden, das ist tatsächlich ein Muss an der Westküste.  Ausgekühlt und mit dem Gedanken an letzte Nacht beschließen wir, den Campingground von Cervantes (25 AUD unpowered) zu nutzen, zur Abwechslung mal das Bett unten auszuprobieren (sehr viel schmaler, aber vielleicht wärmer?) und uns über eine heiße Dusche morgen früh zu freuen.

Tag 1: Vorwort

Wir schwitzen. Hinten habe wir 18,97  bzw. 17,33 Kilo festgeschnallt, vorne beide mehr als zehn und wir rennen zur Bahn. Wie immer sind wir viel zu spät, weil einer von uns immer noch mal durch die Wohnung galoppiert und Fragen stellt: Heizung auf Urlaub gestellt? Aus der Küche ein Ja gebrüllt. Den Müll rausgebracht, auch gelbe Tonne? Jetzt aus dem Bad : Zweimal JA! Können wir dann endlich los? JA---öh Moment mal, noch mal schnell nachgucken, ob wir den Herd auch ausgemacht habe. Szenen einer Abreise. Wir joggen also zur U-Bahn, wenn man das überhaupt joggen nennen kann. Wie ein Magnet hält uns die Schwerkraft am Boden, es ist mehr ein hilfloses Dahingehüpfe ohne große Wegstrecken zurückzulegen. Karte ziehen, die U-Bahn fährt ein, wir erlösen uns von Vorder- und Hintergepäck, blicken nochmal hektisch in unsere Tasche, ob Tickets und Pässe da sind... 104 Tage Australien liegen vor uns. In Deutschland merken wir im September schon die Vorboten des Herbstes und erinnern uns mit Grausen an den letzten eiskalten Winter. In Australien hat gerade der Frühling begonnen. Wir landen morgen in Westaustralien in der Stadt Perth, fahren von dort aus nordwärts nach Darwin, verbringen dann eine Woche im roten Zentrum und von Cairns fahren wir über Sydney und Melbourne bis nach Adelaide. Weihnachten sind wir wieder zu Hause.